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Bauen wie eh und je ...

Bild: www.sehenswerter-bayerischer-wald.de

Ein Realisierungswettbewerb oder ein Vergabeverordnungs-Verfahren (VgV) soll durchgeführt werden mit mehreren Eckpunkten: Minimierung der zu versiegelnden Flächen, wassersensibles Planen und Bauen, zentrale Parkierungsanlagen statt Einzelgaragen, ein nachhaltiges Mobilitätskonzept, die Maximierung des PV-Potentials, eine ökologische Bauweise und ein nachhaltiges Wärme- und Energiekonzept.
All diese Punkte packten die KollegInnen der grünen Fraktion am Dienstag in einen Änderungsantrag zum vorliegenden Entwurf der Stadtverwaltung für die Aufstellung eines Bebauungsplans für eine Wohnbaufläche auf dem Keilberg. Ein Änderungsantrag, der in dichter Form Schwachstellen einer Vorlage offenbarte, die leider bisher jeglichen Anspruch an zukunftsfähiges Bauen vermissen lässt.
Das Manko dabei: Die Grünen zogen den Antrag schließlich sang- und klanglos zurück und begnügten sich mit dem Bekunden der Planungsreferentin und der Oberbürgermeisterin, all diese Punkte werde man doch selbstverständlich miteinarbeiten.
Wenn sie sich da mal nicht täuschen… aber welch Grüner will schon als Verhinderer oder Verzögerer da stehen. Dann doch lieber einfach zustimmen und die eigenen Ansprüche in die Ablage Papierkorb legen… Es sei angemerkt, dass es sich beim beplanten Areal bisher um eine unversiegelte Fläche handelt. Der eine Teil ist landwirtschaftlich genutzt, der andere durchsetzt von kleinen Biotopen, die sicher als kleiner Biotopverbund gelten müssen. Statt sich aber auf den biotopfreien Bereich zu konzentrieren und damit ein behutsames Andocken an die bisherige Wohnbebauung in einem dörflichen Umfeld anzugehen, werden wohl mehrere Biotope zu Gunsten einer höheren Häuseranzahl geopfert werden.
Dass bei jedem Haus die Garage direkt vor der Haustür steht, ist klar. Denn nach wie vor herrscht im Stadtrat mehrheitlich die Auffassung, je weiter man sich an den Stadtrand begibt, umso weniger könne man den Leuten zumuten, ein paar Meter zu ihrem abgestellten Fahrzeug zu gehen… Dass man selbst an den äußersten Stadträndern und trotz eines hohen Biotopanteils einen Bebauungsplan selbstverständlich im beschleunigten Verfahren, also ohne Umweltverträglichkeitsprüfung samt Grünausgleichsverpflichtung, aufstellt ist inzwischen gang und gäbe.
Dass man auf eine Konzeptausschreibung oder einen städtebaulichen Ideenwettbewerb mit höchsten Nachhaltigkeitszielen verzichtet, um ja nicht ein Jahr Zeitverzögerung für neue Wohnungen zu riskieren, ist die kaum hinterfragte Mehrheitsmeinung im Stadtrat – auch wenn im Koalitionsvertrag so ziemlich das Gegenteil steht.
Und dass das alles auf einer Fläche passiert, die zu 100% der Stadt gehört, wundert das noch jemanden?
Es wundert uns nicht mehr. Denn wenn all die wichtigen nachhaltigen, sozialen, einen Stadtteil in seiner Besonderheit berücksichtigenden Punkte eines zukunftsorientierten Städtebaus geopfert werden, um möglichst schnell Baurecht zu schaffen, dann geht es einfach weiter wie eh und je, wenn es ums Thema Bauen geht. Für uns als ÖDP gilt: Stadtentwicklung ist wichtiger als ewiges Wachstum – und deshalb unsere Ablehnung zu diesem Vorhaben.

 

Autor/in:
Benedikt Suttner