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Grüne Lebensräume sichern

Pressegespräch der ÖDP-Fraktion am 05.09.19

Regensburg. Am vergangenen Donnerstag, den 05.09.2019 lud die Stadtratsfraktion der ÖDP Regensburg zum traditionellen Pressegespräch. Die Fraktion gab einen Überblick über ihre bisherige Arbeit am Jahresthema „Nicht nur wohnen sondern – LEBEN!“. Im Eingangsreferat stellte Astrid Lamby, stellvertretende Fraktionsvorsitzende, ausführlich vor, wie sich für die Fraktion daraus ein Schwerpunktthema für die verbleibende Amtsperiode des Stadtrats ergibt: „Grüne Lebensräume sichern“. Die Konkurrenz um Flächen im Stadtgebiet ist groß. Neben Platz für Gewerbeansiedlung und der entsprechenden Infrastruktur fehlt der wachsenden Stadt auch Wohnraum. Die Wohnfläche pro Kopf steigt stetig an, Nachverdichtung ist im dicht besiedelten Stadtgebiet das Zauberwort. Grünflächen haben da einen schweren Stand. Im Rahmen dieser Interessenkonflikte hat die Fraktion herausgearbeitet, welche Faktoren notwendig sind, damit sich Menschen an ihrem Wohnort wohl fühlen – und zwar so wohl, dass auch in der Freizeit wenig Mobilität notwendig ist, weil die Menschen ihre Freizeit im nahen Umfeld verbringen können und wollen. Funktionierende Wohnprojekte zeigen, welche Bedürfnisse Menschen in ihrem Wohnumfeld haben:

1.  Individuelle Rückzugsräume

2.  Kurze Wege (z.B. zum Einkaufen)

3.  Freizeitgestaltung vor Ort

4.  Gemeinschaftsflächen, auf denen zufällige Begegnung stattfinden kann

5.  Ausreichend Grünflächen und Bezugspunkte zur Natur

Während sich die individuellen Rückzugzugsräume in jeder abgeschlossenen Wohneinheit herstellen lassen und auch die kurzen Wege zum Einkaufen im innerstädtischen Bereich meist kein Hindernis darstellen, sind alle anderen Punkte oft nur schwer umzusetzen. Die Folge sind Verkehrsströme, die entstehen, weil sich die Menschen holen, was sie brauchen: Natur und Grün, und dies gerne auch in Verbindung mit Gleichgesinnten. Freizeitgestaltung, weit weg vom Wohnort, um Freunde zu treffen und Natur zu erleben. Wohnmodelle, die all diese Bedürfnisse integrieren, gibt es zwar vereinzelt, in Regensburg sind sie aber kaum zu finden.

Hier kommen alle wohnortnahen, öffentlich zugängigen Grünflächen ins Spiel: grüne Oasen in der Stadt, im besten Fall zu Fuß oder mit dem Fahrrad von zu Hause erreichbar. Durch die räumliche Nähe im öffentlichen Grünraum (Parks, Spielplätze, Bolzplätze aber auch Kleingärten) entstehen ununterbrochen zufällige Begegnungen – ein soziales Grundbedürfnis des Menschen. Auch die Bedeutung von gestaltbaren Grünflächen (Urban Gardening, Essbare Stadt, Kleingärten) ist nicht zu unterschätzen.

Fraktionsvorsitzender Benedikt Suttner betont: „Doch die Bedeutung der Grünflächen geht noch weit darüber hinaus. Regensburg ist eine „steinerne Stadt“. Im Zuge von Klimawandel und -erwärmung müssen wir daher besonders auf der Hut sein. Unsere Straßen, Plätze und Häuser speichern die Hitze. Moderne Stadtplanung versucht, diesem Problem durch viele Baumpflanzungen die Spitze zu nehmen. Ohne größere zusammenhängende Grünflächen, die im Stadtgebiet durch Verdunstungskälte für einen Ausgleich sorgen, werden wir es schwer haben“.

Nicht zuletzt gibt es neben dem Klimawandel noch ein weiteres Problem – vom Menschen gemacht und von Wissenschaftlern zum Teil als noch dringlicher eingestuft: der stetige Rückgang der Artenvielfalt. ÖDP-Stadtrat Joachim Graf: „Das von der ÖDP initiierte Volksbegehren ‚Rettet die Bienen‘ hat gezeigt, wie viele Menschen die Dringlichkeit dieses Themas erkannt haben. Die Koexistenz von vielen verschiedenen Tier- und Pflanzenarten mit dem Menschen ist unsere Lebensgrundlage. Wir können es uns einfach nicht leisten, Tieren und Pflanzen die angestammten Lebensräume immer weiter zuzubetonieren und zu vergiften, denn dann gefährden wir schließlich unsere eigene Existenz. Durch  Monokultur und den Einsatz von Pestiziden haben viele Pflanzen- und Tierarten auf dem Land keine Lebensgrundlage mehr. Durch den massiven Rückgang der Artenvielfalt auf dem Land hat sich das Verhältnis umgekehrt: Viele Insekten finden in der Stadt leichter einen Lebensraum, auch viele Vogelarten ziehen sich vom Land in die Gärten zurück. Zusammenhängende, naturnah bewirtschaftete Flächen stellen ihnen Lebensraum zur Verfügung und leisten so einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.“

Abschließend stellt die Fraktion fest, dass um das Gleichgewicht zwischen Wohnraum, Gewerbeflächen und Grün zu halten, in Zeiten des Wachstums auch Grünflächen wachsen müssen, um Pflanzen und Tieren Heimat und Lebensraum zu bieten. Stolz bemerken die ÖDP-Stadträte, dass sie als Fraktion wohl die meisten Anträge im Stadtrat einbringen. Etwa die Hälfte davon wird – teils mit kleinen Änderungen – verabschiedet. Daher will die aktive, kleine Fraktion, in den verbleibenden Stadtratsmonaten alles tun, um „grüne Lebensräume“ zu sichern.

v.l.n.r. Joachim Graf, Astrid Lamby, Benedikt Suttner (Foto: Dostal)

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